Unglaublich. Weiblich.
25. Nov 2025,

Die Frau sieht zu den beiden mächtigen Männern, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie weiss, wer diese Männer sind. Sie weiss auch, was ihre Pflicht als Journalistin ist.
Sie strafft ihre Schultern, bevor sie ihre Fragen stellt. Ihr Blick ruht auf dem Gesicht des Mannes, der 2018 einen amerikanisch-saudischen Journalisten in Istanbul ermorden und zerstückeln liess. Mit fester Stimme richtet sie ihre Frage an beide Männer:
„Ist es angemessen, Herr Präsident, dass Ihre Familie Geschäfte in Saudi-Arabien macht, während Sie Präsident sind? Ist das ein Interessenkonflikt? Und Eure Hoheit, die US-Geheimdienste kamen zu dem Schluss, dass Sie den brutalen Mord an einem Journalisten orchestriert haben. Die Familien der 9/11-Opfer sind wütend, dass Sie hier im Oval Office sind.“
Die Reaktion des Präsidenten war erwartungsgemäss – trumpesk.
Doch die gestellten Fragen triefen vor Mut, Professionalität und journalistischer Integrität. Selten genug stellen Reporter:innen so klare, ungeschminkte Fragen an Präsidenten oder Premierminister. Obwohl der weibliche Anteil im Journalismus gering ist, sind es oft die Frauen, die mit unerschrockener Direktheit die Wahrheit suchen.
Die Medien bilden die vierte Gewalt im Staat – den Mechanismus einer Gesellschaft, die sich der Recherche, dem Auswerten von Fakten und dem Schliessen von Informationslücken verschrieben hat. Bürger:innen müssen sich auf journalistische Arbeit verlassen können, um informiert zu bleiben. So steht es zumindest im Handbuch der Demokratie – vermutlich.
Doch zurück zum Mut der Weiblichkeit. Mary Bruce gehört zu einer Gruppe von Frauen, die nicht nur Mut zeigen, sondern ihn leben. Frauen, die nicht nur Fragen stellen, sondern handeln – in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Wenn eine Sophie Scholl sich friedlich und mit Flugblättern gegen das Nazi-Regime stellte, kannte sie den Preis ihres Mutes. Sie wurde erwischt und am 22. Februar 1943 zusammen mit ihrem Bruder hingerichtet.
Woher nehmen Frauen ihren Mut? Was treibt sie an, sich einer Sache zu stellen, obwohl die Risiken enorm sind? Vielleicht ist Mut eine Form von Klarheit. Und manchmal eine Form von Liebe.
Mutige Frauen weltweit
Von Malala Yousafzai, die für Mädchenbildung kämpfte,
über Rosa Parks, die sitzen blieb,
bis Greta Thunberg, die Millionen inspirierte.
Von Joan of Arc bis Nadia Murad – jede von ihnen steht für Widerstand, Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit.
Mutige Frauen aus der Schweiz
- Iris von Roten – hielt der Schweiz mit ihrem Buch den Spiegel vor.
- Marthe Gosteli – bewahrte die Erinnerung an den Kampf ums Frauenstimmrecht.
- Emilie Kempin-Spyri – forderte als Juristin Gleichberechtigung, als Frauen noch keine Bürger waren.
- Helene von Mülinen – vernetzte Frauenvereine und gab der Bewegung Stimme und Struktur.
- Marie Goegg-Pouchoulin – gründete eine internationale Frauenorganisation im 19. Jahrhundert.
- Anne-Marie Rey – kämpfte für das Recht auf Selbstbestimmung.
- Elisabeth Kopp – erste Frau im Bundesrat, erste Pionierin durch die geschlossene Tür.
- Ruth Dreifuss – bewies, dass Sozialpolitik Mut, Empathie und Rückgrat braucht.
Mutige Frauen aus Kanada
- Viola Desmond – blieb sitzen, wo sie „nicht durfte“.
- Mary Two-Axe Earley – kämpfte gegen diskriminierende Gesetze.
- Cindy Blackstock – klagte den Staat wegen Ungerechtigkeit an Kindern an.
- Autumn Peltier – wurde zur Stimme des Wassers.
- Roberta Bondar – flog als erste Kanadierin ins All.
- Rosemary Brown – sprach gegen doppelte Diskriminierung.
- Jean Augustine – machte den Black History Month zum Teil der nationalen Identität.
Diese Liste ist beeindruckend – und dennoch unvollständig. Immer wieder tauchen sie auf, die sogenannten Mitglieder des „schwachen Geschlechts“ – und lehren die Welt das Fürchten. Oder zeigen ihr, wie Mut in der Praxis aussieht.
Und aussehen soll.
