„Sein oder nicht sein – ist Haben.“
02. Dez 2025,

Der alte Shakespeare hat mit diesem Satz herzlich wenig zu tun. William ist in diesem Fall völlig unschuldig. So weit zur Sachlage.
Trotzdem ist der Satz nützlich – als Einleitung oder vielleicht sogar als Weiterleitung eines Gedankens. Mit etwas Glück und Hoffnung sind es mehrere.
Dreiviertel des Satzes sind von Shakespeare ausgeliehen – also, ja, plagiatorisch organisiert.
Doch gegen das letzte Viertel, das „ist Haben“, würde sich der gute William vermutlich mit Händen und Füssen wehren. Denn sein Original hatte ja einen Sinn – einen vorne und einen hinten.
„Sein oder nicht sein“ ist weit mehr als eine rhetorische Phrase. Es ist ein kondensierter Ausdruck menschlicher Angst und berechtigter Hoffnung zugleich – ein Satz, der die Jahrhunderte überdauert, weil er das Grundrauschen unserer Existenz in Worte fasst. Shakespeare liess Hamlet diese Worte sagen, um die Suche nach Bedeutung in einer rätselhaften Welt zu spiegeln.
Oder so ähnlich.
Damit ist der rätselhafte Einstieg getan.
Jetzt also zum Thema „Verspieltsein“.
Soll der Mensch verspielt oder nicht verspielt sein?
Aha – jetzt kommt Wald durch die Lichtung.
Wer sich dem Leben verspielt nähert, findet oft neue, kreative und effiziente Lösungen.
Verspieltheit bricht alte Muster, stellt Traditionen auf den Kopf – manchmal elegant, manchmal chaotisch. Aber stets lebendig.
Evolution, das vergessen wir oft, ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein andauernder Prozess – spielerisch, tastend, lernend.
Die Kinder Finnlands gelten nicht zufällig als die besten Schüler der Welt. Sie verbringen erstaunlich viel Zeit auf dem Spielplatz ihrer Schule - ja - mit Spielen.
Bei Google ist Spielen sogar Teil des Arbeitsvertrags.
Verspieltheit ist also kein Gegensatz zu Leistung – sondern oft deren Voraussetzung.
Doch was hat es mit dem „… ist Haben“ auf sich?
Nun, das ist eine Frage der Perspektive.
„Sie sind verspielt“ klingt charmant.
„Sie haben verspielt“ dagegen… endgültig.
Vielleicht hätten sie nicht verspielt, wenn sie vorher mehr verspielt gewesen wären.
Zumindest theoretisch.
Aktuell zeigt sich die Weltpolitik in einer besonders gefährlichen Form von Verspieltheit – dem Spiel mit dem Krieg.
Das Kräftemessen der Mächtigen gleicht einem düsteren Brettspiel mit tödlichen Figuren. Und schmeckt wie Kalter Krieg.
Bei der Budgetplanung steht Aufrüstung an oberster Stelle – ein Posten, der selten öffentlich in Frage gestellt wird.
Sicherheit gilt als höchstes Gut, heisst es.
Selbst die Friedensnation Kanada hat sich mittlerweile auf ein rekordhohes Verteidigungsbudget eingeschossen.
Oha, da ist in reiner Verspieltheit ein Gedanke an die Oberfläche gerutscht:
Wie viel Geld würde eigentlich die Pflege des Friedens kosten – und was, wenn Regierungen einmal den Mut hätten, in Friedensarbeit so zu investieren wie in Waffen?
Wie faszinierend wäre eine Nation, die sich Problemen spielerisch nähert, sie ernst nimmt, aber mit Kreativität und Leichtigkeit löst?
Eine Politik, die nicht von Angst, sondern von Visionen für die Bürger getrieben ist.
Oder einfacher gesagt:
Verspielt sein oder nicht sein – aber Frieden haben.
