Single Bells

20. Dez 2025,

Single Bells
Single Bells

Singles mit 45 waren seit jeher bei Rock’n’Rollern beliebt. Auf kleinstem Platz und auf einer A- und einer B-Seite wurden Hits geboren

Nein, umgekehrt wird eine Single draus. Der vermutete Hitsong wurde in eine Single-Version gepresst. Punkt. Wenn die Single etwas Glück mit sich führte, landete sie in der Jukebox.

Als da wären die regulären Singles, die sich keinen Deut um 45 Umdrehungen und Kleinformate in Vinyl kümmern. Die menschlichen Singles sind diejenigen Menschen, die nicht gerne gesehen werden. Restaurantbesitzer mögen es nicht, wenn eine einzelne Person einen Tisch besetzt und wie ein Single bestellt. Bars sind da eher gewillt, Gruppen von Singles aufzunehmen und sie zu verköstigen. 

An der Bar, versteht sich.

Eine der märchenhaften Geschichten über die Entstehung der Singles ist die des biblischen Adams. Dieser Mann der ersten Stunde – so die Erzählung – war der erste Nudist auf dem Planeten Erde. Er wurde sich selbst und einem Garten überlassen, den er durchforsten konnte, ohne sich um Kleidervorschriften Gedanken zu machen. Adam war ein eher schweigsamer Typ, was auf das Fehlen anderer Lebewesen ähnlicher Gattung zurückzuführen ist. Adam hatte mangels weiterer Gestalten keine Erfahrung im sozialen Bereich. Er war unbewusst ein Einzelgänger, ohne dass ihn dies zu stören schien. Denn er kannte ja nur den Single-Status. Dies fand sein Schöpfer etwas langweilig – für sie oder ihn wie auch für Adam. Denn wenn Adam zu lange sich selbst überlassen wird, könnte dieser zum absoluten Egoisten, Narzissten oder sonstig ausschweifenden Charakter werden. Adam musste sozialisiert werden. Doch solche Aktionen bleiben nicht ohne Nebenwirkungen. Sofort verlor Adam eine seiner Rippen und erhielt dafür eine Gefährtin. Ergo ein Wesen anderer Beschaffenheit, das somit das Geschlecht erfand.
Soweit die fiktive Geschichte über die Entstehung der Menschheit.

Singles im modernen Leben hatten lange Zeit enorme Mühe, sich als Single ständig behaupten zu müssen. Entweder waren sie gezwungenermassen in diesen Status geschlittert oder sie fanden es lukrativer und spannender, als Einzelmaske durchs Leben zu wandern. Oder im Porsche zu fahren. Wer sich als Single outete, konnte auf eine gute Portion Mitleid und Herablassung zählen. 

Ach, die Arme.“ „Welch ein Verlierer.“ waren in etwa die beigepackten Labels.

Doch da waren seit jeher die anderen Typen der Singles, die ihr „Schicksal“ selbst wählten. Die Vorteile waren zu attraktiv, um diese am Altar abzulegen. Singles konnten sich auf sich selbst, ihre Karriere, ihre Philosophie und ihre Hobbys konzentrieren, wenn sie dies ohne Zwischenkommentare und Kritiken durchziehen konnten.

Wie, Egoisten?

OK. Singles tragen meist wenig zur Erhaltung der Weltbevölkerung bei. Doch für den Single bedeutet dies nicht Pech haben, sondern Kinderlosigkeit ist eine von ihnen gefällte Entscheidung.

Noch immer Egoisten?

Das mag sein – auf den ersten Blick zumindest. Doch in den universellen Menschenrechten steht jeder Person – also auch den Singles – das Recht zu, sich nach eigenem Gusto zu entwickeln, solange er oder sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

Es gibt eine Zeit des Jahres, die das Single-Dasein noch immer herausfordert. Denn diese bestimmte Zeit hat sich mit dem Sozialisierungsgedanken eng befreundet. Gemeinschaften der Familie gelten als oberstes Ziel, in denen die Weihnachtszeit verbracht, gefeiert und zelebriert wird. Und da kommen die Singles gerne mal ins himmlische Sperrfeuer.

„Wie verbringst du Weihnachten dieses Jahr?“
„Ach, du bist alleine an Weihnachten?“

Nein, diese Fragen sind nicht schmerzlich – nur nervig. Denn das Unterschwellige ist doch der kleine stille Vorwurf: 
Wie traurig ist das denn, so ganz alleine die stille Nacht zu verbringen?“
Wer kommt denn auf die Idee, dass die Nacht vom 24. Dezember für Singles still sein muss? In der Ecke steht doch eine Jukebox mit vielen Singles drin, und diese lassen die Stille rasant verschwinden.

OK. Das sind die selbstgebastelten Singles, die diesen Status als Gewinn verbuchen. Doch die anderen, unfreiwilligen Singles haben es um einiges schwerer. Denn die sonst so fröhliche Weihnachtszeit macht diesen Menschen eines deutlich: Du bist einsam!
Und diese Erkenntnis lässt jegliche Fröhlichkeit in Melancholie oder gar Depression umschlagen.

Die Tradition der gefeierten Weihnachten sieht in einigen Familien vor, dass dort immer ein zusätzliches Gedeck am geschmückten Tisch eingerichtet wird. Diese Einladung für irgendeine fremde Person, sich an eben diesen Tisch zu setzen, ist enorm sympathisch. Wie oft da wirklich ein Single sitzen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Doch die Menschen sind glücklicherweise grösstenteils sozial ausgestattete Lebewesen. Und die dachten sich: Wir richten an Weihnachten öffentliche Feiern ein – mit Truthahn, Kartoffelgratin und anderen Köstlichkeiten für alle, die sich nicht mehr alleine zu Hause verkriechen wollen. Menschen, die sich unterhalten, aufgenommen fühlen und sich mit anderen warmherzigen Menschen austauschen wollen.
So wird Weihnachten wirklich feierlich, wenn die Singles, die Randständigen, die Unwillkommenen sich zusammenfinden – und feiern.

Single bells, single bells,
Meet-up all the way –
Oh what fun it is tonight
To laugh and sway and stay!
Single bells, single bells,
New friends on the way –
Christmas feels a little brighter
When we share the day.

Fröhliche Weihnachten, ihr Singles dieser Welt.

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