Schampar

27. Dez 2025,

Schampar
Schampar

Schampar? Welch sonderbares Wort, das auch noch mit einer spezifischen Herkunft glänzt. Es ist ein Ausdruck, der für die gesteigerte Intensität eines Zustands benutzt wird – also in der Schweiz. Sonst findet sich dieses Wort in keiner anderen Region. Warum? Nun, weil es für Nichtschweizer keinerlei Bedeutung hat.

Doch wenn dieses Wort für Steigerung steht – also Wörter wie „sehr“ oder „extrem“ aus dem deutschsprachigen Raum ersetzt –, weshalb ist da das Wort Scham enthalten?
Sollen wir uns sehr oder extrem schämen? Nun, manchmal wäre das tatsächlich eine schampar gute Idee.
Es gibt schampar viele Beispiele in der Geschichte der Menschheit, die für einen Ausflug in die Scham herhalten könnten. Oder gar sollten.

Wer sich als Neuling der deutschschweizerischen Sprache, sprich des Dialekts, bedienen will, dem hilft ein Wort wie schampar enorm gut – schampar gut sogar.
Weil dieser Ausdruck pures Gold in der Dialektik ist, macht der Gebrauch von schampar einen extrem positiven Eindruck – beim Gebrauch des Ausdrucks „schampar“.

Der Begriff wirkt auch schampar mystisch, weil die Herkunft und die Bestandteile des Wortes nicht eindeutig definierbar sind.
Natürlich stammt der Begriff aus einem der vielen Dialekte der Schweiz.
Doch die Frage stellt sich – bevor sie sich selbst ein Bein stellt:
Wer hat das Wort erfunden, und vor allem: Warum?

Die grosse Bibliothek der Sprache gibt dazu nicht viel her.
Schampar wird mit vielen Vermutungen, aber keinem einzigen konkreten Hinweis beschrieben.
"Es könnte", und "es würde» greifen hier nicht.
Eine griffige, faktenbasierte Analyse über den Werdegang von schampar scheint schampar schwierig.
Na dann machen wir uns doch eigene Gedanken, woher der Begriff ursprünglich stammen könnte

Champar im Welschland


Die Welschen bilden den französischen Teil des Mikrokosmos Schweiz.
Diese Sprachgruppe im Westen, also im Welschland beheimatet, wirkt etwas abgehoben –
weil sie sich den Franzosen sprachlich näher fühlen als den wilden Ticinesi oder den holprigen Deutschschweizern.
Und bestimmt weiter entfernt von den Rätoromanen, obwohl deren Sprachbasis «Romanen» dem Französischen ähnelt.

Die Abgehobenheit zeigt sich besonders im Trinkverhalten.
Jeder zweite Welsche besitzt oder arbeitet in einem Weingut.
Sie sind ergo dem flüssig-lustigen Leben verbunden.
Natürlich haben sie immer ein Auge auf den westlichen Nachbarn gerichtet,
die sich im Weinhandel mehr als nur profiliert haben.

Mit einem Hauch Neid – und noch mehr Stolz – versuchen die Welschen, ihren Wein auf einen ähnlich hohen Standard zu bringen.
Als höchstes Gut der Weinproduktion gilt natürlich der edle Champagner, also Champagne.

Jean-Claude arbeitete in einem Weingut nahe Montreux.
Als er sich beim Traubenpflücken an einer Traube den Finger verletzte,
da rutschte ihm ein lautes „Champagne!“ raus.
Dieser Vorgang ging in die welsche Geschichte vom Werdegang des Wortes schampar ein.

Schamhaar


In den tiefen Tälern mit den hohen Bergen des Bünderlands finden sich die meisten Dialekte der Rätoromanen.
Der Begriff „Rätoromane“ wurde als Bezeichnung der Schweizer Minderheit geprägt,
weil jedes Tal seinen eigenen Dialekt erzeugt – und eifersüchtig pflegt.
Das Dialekt von Tal X ist für Tal Y kaum oder gar nicht zu verstehen.
Dasselbe gilt für alle anderen Täler im Engadin.

In diesem babylonischen Wirrwarr beschäftigten sich die Talbewohner:innen ständig mit der Frage,
was der Typ vom anderen Tal wohl gesagt hatte.
Sie wussten nur eines: Die gemeinsame Sprachbasis ist das Romanische –
und trotzdem gibt es diese talumwobenen Unverständnisse.

Das Rätselhafte und das Romanische – du verstehst?

Doch aus dieser verzwickten Situation der unverständlichen Gemeinsamkeiten entstand eine sprachliche Scham,
die etwas haarig wirkt.
Dieses Gefühl hält bis heute an, denn man hört immer wieder einen Engadiner leise sagen:
„Quai ma schampar displascha.“

Leider ist aus der sprachlichen Begrifflichkeit von schampar nicht mehr herauszuholen –
weil da einfach nichts mehr ist.
Das ist schampar schade, kann aber nicht aus der Welt geschafft werden.

Doch es ist schampar gut, dass wir darüber reden konnten.

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