Arctic Circle

28. Dez 2025,

Arctic Circle
Arctic Circle

Man nehme einen Zirkel und platziere diesen direkt im Zentrum der Arktis, sprich am Nordpol. Das ist der Punkt – oder besser: die Region –, die den grössten Anziehungspunkt auf die meisten Kompassnadeln ausübt.

Der Nordpol wirkt auf viele enorm magnetisch. Vor allem auf Nadeln. 

Nun ziehe man mit dem erwähnten Zirkel einen grossen Kreis über diese attraktive blaue Kugel, die wir allgemein Planet Erde zu nennen pflegen.
Der Kreis trifft – und zwar auf Landmassen. Massige Landmassen.
Diese angrenzenden festen Ländereien befinden sich im Besitz verschiedener Nationen und sind von Wasser umgeben.
Das macht Kanada zu einer Drei-Küsten-Nation und führt zu dem oft zitierten Satz:
„Kanada – von Küste zu Küste zu Küste.“

Das Land grenzt im Osten an den Atlantik, im Westen an den Pazifik und im Norden an den Arktischen Ozean.
Der arktische Zirkel liegt geografisch auf 66° 34' nördlicher Breite.

Und wer steckt innerhalb dieses imaginär gezogenen Kreises?
Nun, das ist eine illustre Ansammlung von Ländern, die sich dort in der Kälte treffen:
Kanada ist prominent vertreten, Grönland (Dänemark) gehört natürlich dazu, ebenso die USA mit Alaska als nördlichem Zipfel.
Auf der gegenüberliegenden Seite liegt das grösste Land der Erde: Russland.
Und im südlicheren Bereich des Zirkels stossen auch Norwegen, Finnland und Schweden hinzu.

Die Arktis und ihr Kreis geraten wieder vermehrt ins Tagesgespräch.
Vor allem seitens der USA werden die Stimmen lauter, die über Einfluss und strategische Präsenz im Norden sprechen – bis hin zu den alten Fantasien einer „Annexion“ Grönlands, das übrigens nicht zu Norwegen, sondern zu Dänemark gehört.
Warum ist das Thema plötzlich wieder auf dem Tapet gelandet?

Aus kanadischer Sicht steht die Arktis für Souveränität und Sicherheit.
Die Canadian Armed Forces machen diesen Anspruch durch ihre Präsenz deutlich sichtbar.
Doch der Norden ist nicht leer, nicht „niemandes Land“, sondern die Heimat indigener Völker Kanadas.
Diese Gemeinschaften haben Mit- und Selbstbestimmungsrechte, die ihre Perspektive und ihr Wissen in jede politische Entscheidung über den arktischen Raum einbringen.

Und dann ist da diese Nordwestpassage – der Dauerklassiker politischer Diskussionen.
Kanada betrachtet sie als Binnengewässer und somit als unter nationale Hoheit fallend.
Die USA hingegen sehen darin eine internationale Meerenge, in der Transitfreiheit gilt.
Dieser Streit ist bis heute nicht gelöst.

Der Antrieb hinter der erneuten Debatte über die Arktis ist der Klimawandel.
Immer längere eisfreie Perioden bringen mehr Schiffe – und mehr Risiken – in die Region.
Damit stellt sich die Frage nach Verantwortung.

Der arktische Zirkel ist keine Grenze, sondern ein Hinweis:
Ein Kreis auf der Karte, der sagt – ab hier wird es ernst.
Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Interessen.

Denn was zählt, sind Rechte:
Wer darf fischen, bohren, fahren, retten?
Diese Fragen beantwortet kein Breitengrad, sondern das Seerecht.

Für Kanada zeigt sich das am Beispiel der Nordwestpassage:
Ottawa sagt, sie sei kanadisches Binnengewässer.
Andere – allen voran die Vereinigten Staaten – sehen darin eine internationale Meerenge.
Es ist kein Streit um Eis, sondern um Regeln.

Gleichzeitig leben dort Menschen.
Inuit-Gemeinschaften sind keine Statisten in einem geopolitischen Theater, sondern Mitgestalter.
Dass sie im Arktischen Rat als ständige Teilnehmende vertreten sind, ist politisch klug – und weltweit eine Seltenheit.

Und dann ist da der Klimawandel:
Weniger Eis, mehr Schiffe, mehr Risiken.
Der Zirkel wird zur Stresstest-Zone internationaler Zusammenarbeit.

Kurz gesagt:
Der arktische Zirkel trennt keine Länder – er trennt Mythen von Verantwortung.

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