Irren Haus

19. Jan 2026,

Irren Haus
Irren Haus

Eigentlich müsste hier der Plural greifen. Denn es gibt mehr als nur ein Haus, in dem Irre die Geschicke und Geschichten der Menschheit neu schreiben.

Andererseits ist der Begriff irre führend im Bereich des Nichtsalonfähigen – eine Klassifizierung, die Menschen abwertet.
Nun gut, die meisten Klassifizierungen sind ohnehin mit einem Dauerlauf in Richtung Abwertung beschäftigt.

Also lassen wir die Menschen beiseite, die täglich ihren mentalen Kampf austragen und dabei medizinisch betreut werden.
Schauen wir stattdessen auf die anderen Häuser – jene mit Macht als Grundausstattung.

  • Häuser mit Prunk.
  • Häuser mit Tradition.
  • Häuser mit Konsequenzen.
  • Und Häuser, die so riesig sind, dass man sich darin gern mal verirrt.

In eben diesen Häusern irren sich die Machtinhaber regelmässig – und das gilt sogar als menschlich.
Obwohl genau diese Irrungen die Nachfolgenden zuverlässig in die Irre führen.

„Das ist irre!“
„Der ist aber irre!“
„Lass dich nicht beirren!“

Welch ein irres Wort!
So randvoll mit Missverständnissen, Stigmata und Schmerz.
Ein Begriff, der Menschen mit psychischen Erkrankungen verletzt – und dennoch in der Alltagssprache fröhlich weiterlebt.

Hier wäre der Hinweis von Arzt und Apotheker angebracht:
Der Begriff irre kann seelische Verletzungen hervorrufen und unvorhersehbare Folgen haben.
Ergo: Vorsicht bei der Wortwahl.

Und doch lässt sich das Wort nicht ganz vermeiden – besonders dann nicht, wenn aus einem jener mächtigen Häuser wieder einmal verblüffende oder schockierende Kommentare in die Welt posaunt werden.
Dann schüttelt die Allgemeinheit den Kopf und fragt:
Was um alles in der Welt war das denn?

Wenn sich die erste Verblüffung legt, bleibt die Frage hängen:
Ist der Typ völlig von der Rolle?
Oder einfach aus derselben gefallen?

Meistens steckt hinter dem rollenden Hauptdarsteller eine ganze Gruppe von ebenso Mächtigen – unsichtbar, aber aktiv –, die den Mann der Irrungen und Wirrungen durch Lawinen von Chaos und Desinformation lotsen.
Chaos ist keine Theorie.
Wenn das eigene Leben irre Zeiten erlebt, legt sich das logische Denken schlafen – und das Chaos übernimmt den Dienst.

Ja, ich bin ein fanatischer Liebhaber von Worten.
Und natürlich von Sprachen.
Auch wenn ich nur drei dieser unzähligen Dialekte und Systeme wirklich beherrsche, fasziniert mich die Rhetorik – dieses machtvolle Instrument, das im Kopf und im Kragen zugleich sitzt.

Denn falsch oder manipulativ eingesetzte Begriffe wirken toxisch, vernebelt, verführend – und sie können Aggressionen auslösen.
Durch ständige Wiederholung werden selbst die dümmsten, unglaublichsten Sätze irgendwann als wahr akzeptiert.

Und das ist irre!

Denn diese Sätze sind alles andere als hilfreich, wenn es darum geht, eine gesunde, starke, solidarische Gemeinschaft zu bilden.
Also zur Bildung des Menschen beizutragen.

Bitte was?
Natürlich lassen sich solche rhetorischen Tricks entlarven – solange Wissenschaft und Journalismus noch frei kommunizieren dürfen.
Das ist schliesslich ihre Aufgabe: Licht ins Dunkel der Manipulation zu bringen.

Bildung ist etwas Exzellentes.
Bildung von Wissen.
Bildung von Sprache.
Bildung von Gesellschaft.
Und: Bildung der feinen Rhetorik.

Ein Hoch auf die Bildung.

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