Musketier
23. Jan 2026,

Ein Musketier ist ein seltsames Wesen. Ein Musketier ist ein rätselhaftes Wesen. Ein Musketier wird zum rätselhaften Wesen, wenn es in Einzelteile zerlegt wird.
Als Erstes fallen die ersten vier Buchstaben auf: M U S K
Diese vier Zeichen der Sprachenwelt haben weltweit an Bedeutung gewonnen. Vor Jahren wurde diese Bedeutung als wertvoller Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise betrachtet. Denn diese Elektroautos hatten mit Benzin oder Diesel nichts am Hut, und einen Auspuff suchte man an dem Fahrzeug vergeblich. Nun, dieselben vier Buchstaben haben sich die Übernahme einer Palaver-Applikation in den sozialen Medien erlaubt. Diese Applikation haben dieselben vier Buchstaben in eine Hass- und Populisten-Plattform ohne Filterung umgebaut. Damit die neue Ausrichtung noch besser in den Köpfen der User in Erinnerung bleibt, wurde aus dem viel zu langen Wort „Twitter“ ein simples X. Bitte hier ankreuzen?
Erfolg macht – neben sexy – vor allem gierig nach Macht. Und da wurden die vier Buchstaben bei einem möglichen erneuten Amtsantritt eines amerikanischen Präsidenten mit fünf Buchstaben fündig. Der Fünfer hat die Wahl gewonnen, und der Vierer rüpelte sich mit der Motorsäge und ein paar Jünglingen durch die amerikanische Administration.
Da siehst du mal, was so ein paar läppische Buchstaben anstellen können.
Nun zum zweiten Teil: Tier.
Tier zu sein bedarf es wenig, denn Tier zu sein ist menschlich. Oder umgekehrt. Schliesslich hat sich die Evolution ganz schön Mühe gegeben, dass der Ahnenstrang logisch nachvollziehbar und ganz schön tierisch bleibt. Zudem sind die felligen Tiere oft sooo niedlich und süss anzusehen. Wer sich online mit Katzenbildern und Hundevideos beschäftigt, wird dies bestätigen können.
Was ist nun ein Musketier im Endeffekt? Ist es ein faschistisches, instinktgetriebenes Wesen, das für eine kleine, elitäre Minderheit unterwegs ist? Oder ist es doch ein halbadliges Wesen mit Federschmuck auf dem schlappigen Hut und einem stichhaltigen Degen in der Hand?
So jedenfalls verkauft Hollywood die Legende des beschwerten Soldaten im Sechzehnten Jahrhundert.
Die reale Sicht auf diese Männer an vorderster Front etlicher Kriege ist eher nüchtern. Damals wurde ein Gewehr namens Muskete in das Arsenal der Armee eingeführt. Ein paar extravagante Soldaten wurden für die Muskete ausgebildet und erlangten mit dem Beherrschen der Waffe etwas besonderen Ruhm. Damit sie sich vom normalen Soldaten abheben konnten, wurden sie Musketiere genannt. Das waren demnach Tierische, die extrem gut mit der Muskete umgehen konnten. Das Schwert galt eher als Beilage.
Ist es nicht fürchterlich, wenn sich die romantisch überlieferte Legende eines Monsieur D’Artagnan als gewöhnlicher Mann mit Gewehr entpuppt?
Im Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas wurden diese Namen erwähnt: D’Artagnan, Athos, Porthos und Aramis. Wie, drei? Das sind doch vier Namen? Egal – jedenfalls waren diese drei oder vier Musketiere von realen Personen beeinflusst, denn dieses Quartett waren von König Ludwig XIII als Leibwächter eingestellt worden.
Das bekannteste Überbleibsel des Romans ist deren Wahlspruch:
„Einer für alle, alle für einen.“
Oha lätz.
