Re Sister

24. Jan 2026,

Re Sister
Re Sister

In leuchtend-glitzernden Buchstaben stand auf dem T-Shirt „RESIST“. Das T-Shirt und seine Trägerin zelebrierten den Widerstand. Aha – und um welchen Widerstand handelt es sich hier?

Wenn er elektrisch gemeint wäre, dann ginge es um die physikalische Eigenschaft des Widerstands.
Und um Hemmungen.
Ja, dies ist lediglich materiell motiviert, denn der elektrische Widerstand misst, wie stark verschiedene Materialien den Strom zu hemmen vermögen.
Das ist Ohm (Ω) – und eigentlich schon alles. Beim Strom.

Doch dieses Experiment hatte die Trägerin des Resist-Shirts nicht im Sinn, obwohl sie in ihrer Karriere Millionen von Menschen elektrisiert hat.

Jane Fonda trägt neben dem erwähnten Shirt auch einige Warnungen über den Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika ins Studio der Talkshow von Stephen Colbert.
Die 88-jährige Jane hat sich nie auf ihren Status als Filmlegende reduzieren lassen. Schliesslich stammt sie aus der rebellischen Fonda Familie.

Dann lässt Jane die Katze aus dem Sack: Sie hat das Komitee ihres Vaters Henry für den Ersten Verfassungszusatz – das Recht auf freie Rede, Presse, Religion und Protest – wieder zum Leben erweckt.
Als prominente Aktivistin konnte sie rund 550 Mitglieder aus der Hollywood-Garde gewinnen, darunter Aaron Sorkin, Barbra Streisand, Billy Crystal, Christine Baranski, Julia Louis-Dreyfus, Julianne Moore, Lily Tomlin, Melanie Griffith, Natalie Portman, Viola Davis und Winona Ryder.
Jane ist eindeutig eine Re-Sister – die Schwester des friedlichen Widerstands.

Wogegen richtet sich der Widerstand in den USA schon wieder?
Ach ja – gegen die aktuelle Demontage einer der ältesten Demokratien, die in einen autokratischen Staatenbund umgebaut werden soll.
Und gegen Repression, Aggression und das Aushebeln des Rechtsstaats.
Welch eine unglaubliche Entwicklung für das einstige Land der Freiheit.

Zurück zum Thema des friedlichen Widerstands.

Es gibt einige Zutaten für Aktivist:innen – sprich: Bürger eines Landes –, um den Widerstand möglichst friedlich durchzuhalten.
Wenn Gewalt im Spiel ist, verlieren alle Beteiligten.
Friedlicher Widerstand ist kein passives Stillhalten, sondern aktive, kluge Verweigerung.
Der Widerstand wirkt leise – und ist gerade deshalb so tiefgreifend.
Historisch haben sich einige Aktionen als besonders widerstandsfähig bewährt.

Ungerechte Regeln im Staat werden nicht mehr mitgetragen.
Durch Boykotte, Streiks, Sit-ins und Amtsverweigerung verlieren die Machthaber ihre Basis von Repression.
Warum?
Niemand will das Spiel mehr mitspielen.

Wenn Zivilisten ungehorsam werden und ungerechte Gesetze öffentlich brechen – ja, ohne Gewalt, aber mit Konsequenzen –, dann wird Unrecht für die Öffentlichkeit sichtbar.
Wenn dem Kaiser die Kleider genommen werden, gewinnen Humor und Lächerlichkeit die Bühne.
Lachen entwaffnet die Macht, und Satire nimmt absurde Regeln wörtlich.
Autoritäre Systeme können mit Humor nichts anfangen, denn der lässt sie alt aussehen.

Figuren wie der brave Soldat Schwejk und der baslerische HD-Soldat Läppli haben gezeigt, wie man Autokraten lächerlich wirken lässt.

Wie Jane Fonda sind ganz normale Bürger:innen gefordert, ihre friedliche Präsenz zu zeigen.
Ohne aggressiv zu wirken, machen Märsche, Mahnwachen, Schweigeaktionen und Menschenketten die Obrigkeiten enorm nervös.
Grosse Menschenmengen mit Protestschildern wirken enorm mächtig.

Natürlich gehören gut erzählte Geschichten über die Repressalien der Macht in das Szenario des Widerstands.
Mit öffentlichen Briefen, Essays, Gedichten, Filmen und Liedern wird das Ungeheuerliche sichtbar gemacht.
Ungerechtigkeit stirbt nicht durch Gewalt, sondern an öffentlicher Klarheit und Wahrheit.

Und eine meiner Lieblingsdisziplinen im friedlichen Widerstand ist die organisierte Gemeinschaft.
Wenn sich Nachbarn, Freunde und Familien zusammenschliessen, sich informieren und Kooperation aktivieren, wird die Bewegung des Widerstands immer mächtiger.

Die Versuchung ist immer präsent und riesengross: die Wut der Vergeltung.
Doch die hat im friedlichen Widerstand nichts zu suchen.
Der Schlüssel zum Erfolg der aktiven, friedlichen Aktion ist das völlige Fehlen von Gewalt.

Das hat bereits Martin Luther King Jr. wunderbar formuliert:
Gewaltfreiheit zwingt das Unrecht, sich selbst zu entlarven.

Fehlt da nicht noch was?
Ach ja – diese beiden Attribute, die nicht zu den attraktivsten gehören:
Der Widerstand lebt von Geduld und Ausdauer.
Geduldig weitermachen und beständig an den nächsten Aktionen arbeiten – das macht den Widerstand mächtig.
Und lässt die Autokraten nervös und ängstlich werden.

Oh ja, das gefällt.

Friedlicher Widerstand ist
mutig ohne Waffen,
laut ohne Lärm,
hartnäckig ohne Hass,
und gefährlich – für die Ungerechtigkeit.

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