Pro Gnose

28. Feb 2026,

Pro Gnose
Pro Gnose

„Die Sache geht voll in die Hose. Denn die Sache ist die Prognose." Dies ist ein Zitat von jenem weltbekannten Zitatenhersteller namens „Unbekannt". Von ihr – oder ihm – gibt es Millionen von manchmal prägnanten und oftmals langweiligen oder sinnfreien textlichen Auswürfen.

Doch zurück zu diesem Zitat über Prognosen und ihre Hosen.

Der führende Teil des Wortes ist echt sympathisch: „Pro" wirkt immer positiv, denn der nachfolgende Gedanke ist für und nicht gegen etwas. Doch das ist keine generelle Regel, sonst hätten Politiker:innen und reguläre Menschen hier einen Freipass aus drei Buchstaben. 

Das Positive von „Pro" liegt in der Zustimmung, für etwas zu sein, einzustehen, zu kämpfen.

Wann, wie und woher kam die Gnose ins Spiel? 
Na sieh mal an, die Griechen sind mal wieder an einem konkreten Begriff beteiligt. Die Lateiner haben hier das Nachsehen. 
Der Teil „gnosis" zielt auf die „Erkenntnis" einer bestimmten Sache. 
Ursprünglich meinte der fiktive Gnosis-Erfinder Kostas damit das zukünftige Wissen, wie Ereignisse sich entwickeln werden. Mangels Kaffeesatz und Kristallkugel wurde erst einmal das Wort als Anreiz eingeführt.
Die Prognose für die Präsidentenwahl zeigt, dass…"

Und die Flipchart-Tafel zeigt die errechneten, vermuteten, diagnostizierten Indizien einer Entwicklung in nackten Zahlen oder Worten auf. Moment mal – sind Worte auch nackt, wenn sie wie die Zahlen einfach so in der Gegend herumstehen? Egal.

Die Prognose als aktiver Teil einer Zukunftsbeschreibung ist in ihrer Anwendung etwas heikel. 
Sie legt grossen Wert auf spezifische Beispiele aus der Praxis. 
Wenn ein definierter Zeitrahmen und ein bestimmter Zeitpunkt als Prognose gelten sollen, dann sind dies zeitliche Vorhersagen – und meistens ohne Gewähr. Davon kann die Wettervorhersage oder die Wirtschaftsprognose ein Lied singen.

Eine Variante der Prognose ist aktiver, denn sie will zu wissen scheinen, wie ein spezifisches Ereignis eintreten wird. Oder eben nicht. Diese Methode wird bei Wahlergebnissen und beim Ausbrechen von Krankheiten verwendet.

Moment – da ist noch eine weitere Variante des Vorhersagens im Spiel. 
Hier werden Mathematiker:innen und Statistiker:innen hellhörig. 
Denn es geht um den Zustand eines Systems oder einer Situation und dessen Befinden in der Zukunft. 
Wer sich daran wagt, Aktienkurse oder Bevölkerungsentwicklungen in die Rechnung einzubeziehen, kümmert sich um den Zustand von morgen und übermorgen.

Viel Glück.

Trotz dieser eher unsicheren und meist folgenlosen Anwendung von Prognosen in der Praxis wage ich dennoch, mir ein paar Ereignisse in einer Aussage-Mischung aus Hoffnung und Prognose zu überlegen.
Im Volksmund und anderswo wird dies als Zeichen der Zeit gewertet.

Die tägliche Dosis an Nachrichten und Ereignissen ist für die meisten von uns Homo Sapiens-Kreaturen beängstigend und frustrierend. 
Es ist kein schöner Anblick, wenn vor unser aller Augen der einzig verfügbare Lebensraum Stück um Stück zerstört wird, Kinder sexuell missbraucht, Protestierende erschossen und Kriege angezettelt werden.
Soweit die Abnormität des täglichen Lebens.

Doch wenn der Tropfen nicht nur auf den heissen Stein fällt, sondern ein Fass zum Überlaufen bringt, dann bewegt sich etwas.
Etwas Positives.

Die Dosis an Indizien und Ereignissen von diesem Samstagmorgen ist bereits beachtlich genug, um sich eine gute Laune und eine dosierte Portion Hoffnung zu gönnen.

In der EU wurde die Forderung „My Voice. My Choice." angenommen. Frauen und ihre Körper können endlich aufatmen.

Im Iran haben sich die Student:innen der Revolution angeschlossen. Die Dynamik ist unübersehbar, obwohl die Revolution für Tausende der Protestierenden tödlich endet. Doch die Freiheit für Perser:innen nimmt immer klarere Formen an.

In den USA zeigen Politiker:innen bei Zwischenwahlen, dass demokratisch progressive Kandidat:innen nicht nur eine kleine Chance haben, sondern oftmals zweistellige Vorsprünge vorzeigen können. Der neue Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani – progressiver, demokratischer Moslem – gilt laut aktuellen Umfragen bereits als einer der populärsten Bürgermeister der letzten Jahre.

China ist einer der grössten CO₂-Verursacher. Doch China zeigt zurzeit, wie Klimaschutz wirklich geht. Das Land schaffte es, seinen stetig wachsenden Energiebedarf in der Grössenordnung ganz Deutschlands vollständig durch erneuerbare Energie zu decken.

Na, wie liest sich das nun in der prognostischen Betrachtung bestehender Fakten und Indizien? 

Sieht die Welt nun wieder positiv aus?
Nein. Aber etwas positiver und vielversprechender als auch schon.

Ich bin Pro. Und ich mag die Gnose.
Jetzt und für die Zukunft.

0Noch keine Kommentare

Ihr Kommentar
Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Ähnliche Beiträge