«Aufstehen!"
01. Mär 2026,

„Aufstehen! Sofort!" Wie kann man einer solch verlockenden und freundlichen Einladung widerstehen? Schliesslich wird man nicht täglich mit einer solchen Bitte beglückt. Doch man tut es trotzdem, das Ding mit dem Aufstehen. Wer will schon als „sitzengelassen" oder als „liegengelassen" gelten? Na eben.
Nun, mit dem Aufstehen alleine ist es nicht getan.
Meine liebe Freundin, die Ballettlehrerin, fügte jedesmal streng hinzu: „Kopf geradeaus, Schultern straffen, Hintern ebenso und Brust raus." Diese nett gemeinten Hinweise machten das Aufstehen nicht einfacher, aber man sah einfach besser und selbstbewusster aus. Falls dieser Zustand nicht bereits vorhanden ist.
Das Aufstehen war schon seit jeher wichtig. Schliesslich will der Homo Sapiens sich mit Dingen beschäftigen, den Körper herausfordern, die Familie finanzieren und Hobbys frönen. Gut, manche Dinge lassen sich auch im Liegen erledigen, aber davon soll hier nicht die Rede sein.
Es gab und gibt immer wieder Zeiten und Orte, an denen das Aufstehen eine grosse Herausforderung darstellt.
Wer sich mit körperlichen Einschränkungen befassen muss oder mit psychischen Dingen belastet ist, für den wird das blosse Aufstehen zur täglichen Belastung.
Es gibt noch eine Variante, in der das Aufstehen gefährlich oder gar tödlich sein kann.
Und dieses Aufstehen ist brandaktuell.
Dann nämlich, wenn die Gemeinschaft der Weltbevölkerung sich einem oder mehreren autoritären Systemen ausgesetzt sieht.
Wenn sich unsichere Menschen zu Diktatoren brutalisieren, sich Faschisten wieder offen zeigen und auch so handeln, dann ist das Aufstehen ein probates Gegenmittel.
Wie war das noch mit dem Pöbler in der Schule oder in der Nachbarschaft? Diese Typen, die sich mit Faustrecht ihre Macht sichern, die das Pausenbrot aus kleineren Händen reissen und die mit geschwellter Brust ihre vermeintliche Macht zur Schau stellen.
Diese autoritären Systeme haben eine grosse Schwäche: Sie können nicht mit Widerstand umgehen.
Vor allem dann nicht, wenn dieser zahlenmässig übergross wird.
Wenn der Morgen graut und gegen das Grauen des Faschismus protestiert wird, dann hat der Tag eine exzellente Struktur der Hoffnung. Die Proteste gegen Gewalt, gegen Diktatoren, gegen Autokratie und gegen Unrecht sind mutige Zeichen des Widerstandes. Und Proteste sind eine hervorragende Waffe, um sich für kleine Dinge wie Menschenrecht, Frauenrecht, Frieden, Freiheit und generell für Gerechtigkeit einzusetzen.
Da haben sich die Erfinder der Demokratie – was? Ach ja, die Griechen – sich einige grundlegende Dinge ausgedacht.
Das Aufstehen gegen und für etwas ist kein Spaziergang.
Ein Protestmarsch, ja, aber die Konsequenzen der Gegenseite sind oftmals drastisch bis tödlich.
Doch auf Dauer lässt sich die Mauer des Unrechts einreissen.
Nein, das ist keine theoretische Idee, sondern das zeigt die Geschichte der Menschheit immer wieder und sehr deutlich.
Wenn die dunkle Seite der Menschheitsgeschichte zurzeit eine Renaissance erlebt, dann muss dies der friedliche Widerstand genauso handhaben.
Friedliche Proteste sind universelle Menschenrechte!

