„Du bist nicht normal." „Oh, Danke."

05. Mär 2026,

„Du bist nicht normal." „Oh, Danke."
„Du bist nicht normal." „Oh, Danke."

Wie sieht diese Norm nun genau aus, nach der jeder Mensch in einer Gemeinschaft sein, aussehen, sich verhalten sollte? Die Norm, sprich die Normalität, ist ein Chamäleon in Bedeutung und Wirkung. Bitte was?

Nun, in der Wissenschaft ist die Normalität eines Zustandes die Basis, um Abweichungen und ihre Auswirkungen überhaupt messen zu können. Beispiel Körpertemperatur. Sie liegt bei den meisten Menschen so zwischen 36,5 bis 37,5 Grad Celsius. Falls sich dieser Wert ausserhalb dieses Bereiches bewegt, dann ist der Körper eher krank als gesund. 
Und das Kurvendiagramm wird unruhig, wenn das Fieber sich eingenistet hat.

Diese Normalität ist erklärbar und auch hilfreich.

Wie steht es aber mit der Norm im Benehmen und Verhalten, wenn diese eingefordert wird? Dann wird die Sache etwas haarig. 
Und hoch aktuell.
Wie das?

Nun, in letzter Zeit wird der Begriff der Weltordnung in vielen politischen Mündern erwähnt. So auch im Munde von Mark Carney, seines Zeichens auch mein Premierminister von Kanada. 
Das Wort selbst, in dem die Welt in einer Ordnung besteht, an die sich die Länder halten, ist eine angenehme Vorstellung. 
Wenn sie nach den philosophischen Betrachtungen geordnet wäre. Und sich daran halten würde. 

Immanuel Kant meinte dazu über die Idee des Ewigen Friedens: Eine weltweite Friedensordnung sei möglich, wenn Staaten sich als Teil einer weltweiten Föderation verstehen würden, die auf demokratischen Prinzipien und gemeinsamen Gesetzen basiert.
Nun, das hat nur ansatzweise und im Mikrobereich geklappt.

Philosophen wie John Rawls haben Theorien entwickelt, die sich mit der Verteilungsgerechtigkeit auf internationaler Ebene beschäftigen. Rawls' Theorie der Gerechtigkeit fordert, dass gesellschaftliche Güter so verteilt werden, dass sie den am wenigsten Begünstigten den grössten Vorteil bringen. 
Na sieh mal an, da sind ja etliche Spuren der Hippiephilosophie enthalten.

Immerhin haben diese Ideen die Vereinten Nationen (UN) und die Weltbank hervorgebracht. 
Die beiden Institutionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der politischen Weltordnung. 
Die Vereinten Nationen versuchen immer und immer wieder, die internationale Zusammenarbeit und damit Frieden, Sicherheit und Menschenrechte weltweit zu sichern. 
Die Weltbank ist da eher pragmatisch ausgerichtet — für wirtschaftliche Entwicklung und gleichzeitig für die Verminderung von Armut durch finanzielle und technische Hilfe.

Wie geht es dir heute, liebe Weltordnung?
Der als selbstverständlich empfundene Frieden in Europa und in Nordamerika war mal. 
Krieg und Bedrohung mit Chaos und Terror als Begleiterscheinung beherrschen die Nachrichten. 
Ach ja, Nachrichten aus dem Mainstream sind auch nicht generell wahr und faktenbezogen. 
Nachrichten aus den sozialen Medien auch nicht. 
Oh nein. Das wäre ja normal.

Ja, die Normalität in der Bedürfnispyramide der Menschen ist brüchig und schwankend geworden. 
Die tägliche Flut an schrecklichen, noch schlimmeren und noch dramatischeren Ereignissen hat der Empörung den Garaus gemacht.
Wir leben in einer Zeit, die bisher als total abnormal geltende Geschichten in eine neue Normalität katapultiert hat.

Es gilt als salonfähig, dass Kinderschänder, Gesetzesbrecher, Faschisten, Diktatoren sowie Hetzer gegenüber Minderheiten und die Entrechtung derselben in hohe Positionen in der Politik aufsteigen.

Auch die Rhetorik hat sich dem Unaussprechlichen teilweise angenähert.
Ach du grüne Sch..... Sorry.

Welch eine dystopische Wahrnehmung haben meine Synapsen heute morgen um fünf hier fabriziert? 
Nun, so schlimm ist es noch nicht gekommen. Das wäre ja noch schöner.

Nein, trotz allen Widrigkeiten und Widerwärtigkeiten sehe ich die Zukunft noch nicht völlig düster.
Und nein, ich hocke nicht vor dem Computer und verbringe die Zeit mit naivem Hoffen. DAS wäre düster und frustrierend.
Wir Menschen sind niemals total normal. 
Wenn dies der Fall wäre, dann gäbe es keine Kunst, selten Erfindungen, und wir könnten den Tod der Kreativität feiern.

Menschen haben schon immer neugierig ihre Nasen aus der Norm gestreckt und dabei Neues und Abnormales entdeckt. Möglichkeiten des neuen Denkens, des Handelns für die Zukunft der Menschheit.
Immer und immer wieder.
Man nennt dies auch den Geist für Erfindungen und für das Ausserhalb-des-Standards-Denken. 
Und genau dieses Abnormale brauchen wir drängender und dringender denn je.

Total Normal war gestern.
Hoffnung schaffendes Normal ist heute.

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