„Aber wenn wir nicht mehr wollen – dann gibt es nie wieder Krieg!“
09. Mär 2026,

Eine lange Zeit war mir Kurt aus dem Gedächtnis entschwunden. Doch jetzt im 2026 ist er wieder da: Kurt Tucholsky, der leidenschaftliche schreibende Kämpfer gegen Krieg.
Der Krieg an sich, also die Idee einer schnellen Lösung eines Konflikts, wirkt für manche politischen Köpfe verlockend und macht lüstern. Wie damals in der Schule, als ein gezielter Schlag auf die Nase des Gegners, des Rüpels als die bestmögliche Lösung galt.
Nase gebrochen. Blut geflossen. Konflikt gelöst. Ach ja?
Das Leben an sich und dessen Verlust ist kein Spiel.
Falls doch, dann will ich da niemals mitspielen.
Die letzten achtzig Jahre haben vor allem Europa gezeigt, dass ein dauerhafter Frieden für die meisten Anwesenden auf dem Planeten Erde viel verlockender und vor allem überlebensfähiger sein kann.
Friedliches Zusammenleben wirkt extrem entspannend.
Und jetzt ist es vorbei mit der Taube des Friedens.
Jetzt sind es die Tauben, die nicht mehr auf die Vergangenheit der Geschichte hören.
Oder sehen.
Krieg gilt wieder als gangbarer Weg. Scheint es. Und eben dieser Schein ist ein altbekannter Trüger.
War Krieg in der Geschichte der Menschheit irgendwann der einzig richtige Weg, um Konflikte zu lösen?
Lösungen, die nicht nur einer Seite dienen?
Wo habe ich das Geschichtsbuch hingelegt? Ach ja, da steht es ja - im Staube der Zeit.
Krieg oder …?
Krieg ist niemals die einzige Lösung eines Konflikts, auch wenn er manchmal – vor allem in der Geschichte – als letzter Ausweg oder als notwendiges Übel dargestellt wird. Tatsächlich ist Krieg – also das verordnete Töten von fremden Menschen mit anderer Uniform, anderem Aussehen – die brutalste, zerstörerischste und folgenreichste Art, Konflikte zu „lösen“.
Und oft löst er gar nichts dauerhaft, sondern verlagert oder verschärft die Probleme nur.
Dennoch wird das Anzetteln eines Krieges als einfache und mögliche Lösung gepriesen.
Warum das denn?
Krieg kann auf den ersten Blick einfach wirken, weil er Machtverhältnisse schnell (aber oft ungleich) verändert,
weil er komplexe politische, soziale oder wirtschaftliche Spannungen durch Gewalt «klärt»,
weil er innenpolitisch Einigkeit «vortäuschen" will («Einheit im Angesicht des Feindes»).
Als einfache Lösung ist der Krieg als Mittel einfach nur trügerisch.
Zerstörte Städte, traumatisierte Menschen, Flüchtlingsströme und langfristiger Hass wirkt für mich alles andere als einfach.
Höchstens als einfach dumm.
Als einfach einfaltslos.
Oder schlimmer, als einfach menschlich böse.
Geht es auch anders?
Na sieh mal ein paar Seiten weiter unten im verstaubten Geschichtsbuch, da sind beispielhafte und alternative Lösungen für Konflikte angeführt. Na also.
Gewaltfreie Lösungen von Konflikten sind schwieriger, weil sie Geduld, Dialog, Kompromissbereitschaft und oft internationale Zusammenarbeit einfordern. Ergo muss die Komfortzone mal kurzfristig verlassen werden. Aber diese Lösungen sind wahrscheinlich die einzigen, die echten Frieden schaffen können. Langfristigen Frieden.
Die Kunst der Diplomatie ist mit Verhandlungen, mit Verträgen und mit Hilfe internationaler Institutionen wie der UNO ausgestattet.
Die Kunst der Sanktionen – wirtschaftlich wie politisch – üben nicht mehr, sie sind Profis in der Disziplin: Druck erzeugen ohne zu töten.
Die Kunst des zivilen Widerstands ist meine Lieblingsdisziplin. Friedlicher Widerstand der Bürger:innen mit gewaltfreien Protesten ohne nachzugeben ist macht- und wirkungsvoll. Gandhi, Martin Luther King, Friday for Future und viele mehr haben dies mehr als deutlich bewiesen.
Die Kunst der Mediation bei Konflikten bedeutet, dass neutrale Dritte beim Lösen von Konflikten mithelfen. Neutrale für eine gemeinsam machbare Lösung ist wirklich konstruktiv für beide Seiten.
Die Kunst der Bildung und Aufklärung hat als Nebenwirkung stets den wachen Geist der Menschen getriggert. Wer sich in der Materie des Lebens und der Konflikte tiefer auskennt, wird bessere Lösungen als die Kriegslust anstreben. Zudem eliminiert die Aufklärung diese konstant auftretenden Vorurteile und schafft mehr Verständnis. Das kann niemals schaden.
Otpor! – Widerstand ohne Waffen
Letzthin bin ich wieder auf eine mir bisher wenig bekannte Geschichte des zivilen Ungehorsams gestossen.
Otpor! Die serbische Jugend stürzte ihren Diktator gänzlich ohne Waffengewalt. Respekt.
1998 gründeten serbische Studenten die Bewegung Otpor! – was lediglich „Widerstand!“ bedeutet. Sie wollten den Diktator Slobodan Milošević stürzen. Ihr Waffenarsenal bestand aus Humor, kreativen Strassenaktionen, einiger Symbolik und vor allem der Mobilisierung der Massen.
Ihr Motto „Er ist fertig!“ (Gotov je!) war überall auf Wände gesprüht.
Ihr Symbol bestand aus der erhobenen Faust – heute ein globales Zeichen des zivilen Widerstands.
Ihre Strategie war reich gefüllt. Keine Gewalt. Keine Angst. Kreative Aktionen wie beispielsweise ein riesiges Würfelspiel auf dem Belgrader Platz, um „Milošević würfelt“ zu spielen.
Die Bewegung Otpor! organisierte die ganze Bevölkerung Serbiens – vom Bauern bis zum Professor.
Am 5. Oktober 2000 marschierten über eine Million Menschen auf das Parlament zu. Milošević floh – ohne dass ein einziger Schuss fiel.
Und das Beste? Otpor-Aktivisten gründeten später das CANVAS-Institut (Centre for Applied Nonviolent Action and Strategies), das weltweit Bewegungen wie in Georgien, Ukraine, Ägypten und Tunesien schulte.
Fazit: Ein Diktator wurde durch organisierten, friedlichen Druck gestürzt – nicht durch Krieg.
Fazit Kanada? Team Kanada hat sich direkt aus der kanadischen Seele gebildet und wirtschaftlichen Druck erzeugt.
Keine US-Produkte, keine Reisen nach USA und vor allem die resistenten Ellbogen rauf – das ist der lebendige Widerstand von ganz normalen Bürgern, die sich nicht herumschubsen lassen. Und den Krieg nicht als erste oder einzige Lösung ansehen.
„Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden.“ – Kurt Tucholsky (ca. 1919)

