Na, Eve?
13. Mär 2026,

Was, wenn Eve kein Fehler ist, sondern eine kreative Superkraft? CanaChris erzählt die Geschichte von Eve – und was wir von ihr lernen können.
Eve hat nur ein klitzekleines Problem, von dem sie nicht gerne spricht. Ihr wird hinter ihrem Rücken nachgesagt, sie sei etwas ungebildet und viel zu vertrauensvoll. Sie besitzt also Eigenschaften, die in der Gesellschaft nicht gerne gesehen werden.
Es sei denn, man ist als Betrüger, Heiratsschwindler oder Anlageberater unterwegs.
Doch Eve sieht sich eher als Unschuldige denn als Ungeschulte im Theater des Lebens.
Wie oft treffen Meinungen zwischen ihr und dem Umfeld different aufeinander, was beim Gegenüber ein mitleidiges Lächeln auslöst. Da ist vor allem ihr Fokus schuld, dass sie manche Schwierigkeiten oder manches Problem nicht sieht oder nicht sehen mag.
Apropos: Eve fehlt manchmal der Filter, der manchen Gedanken vor dem Aussprechen aus der Rede herausfiltert.
Das würde Eve so manche hochgezogene Augenbraue und manches beleidigte Gesicht ersparen.
Wobei – Eve sieht weder das eine noch das andere.
„Na, Eve, was hältst du von dieser Idee?"
Fragen wie diese lösen bei Eve eine hyperaktive Reaktionskette aus.
Denn sie kennt dieses Gebilde an Hürden nicht, die allfällige frische Ideen verhindern.
Eve ist kreativ und lässt den Gedanken fliegen, bis dieser konkretere Formen und begeisternde Bilder annimmt.
Ihr wird gerne eine Geschichte zugeordnet: ‚Alle sagten, das kann nicht funktionieren. Eve bekam das nicht mit und machte einfach, bis dieses Ding funktionierte.'
Eve gehört nicht in die Gilde der Manipulierenden.
Dazu ist ihr Gedankengut nicht gemacht.
Sie entscheidet mit klarem Gedanken, ohne dabei ein Arsenal von Hintergedanken zu bemühen.
Dennoch gibt es Momente und Situationen, die eine Frage unbedingt erforderlich machen: „Na, Eve, willst du das wirklich tun?"
Naiv zu sein ist kein Mangel, keine Lächerlichkeit, sondern ist eher eine Variante der Unschuld.
Oder ein Mangel an Skepsis und allenfalls Vorurteilen.
Ich finde es oft erfrischend, wenn die Sicht auf etwas oder jemanden positiv und kreativ ausfällt, ohne gleich den Beipackzettel mit den möglichen negativen Seiten aus der Packung zu nehmen.
Wie würden Meetings bei den Kreativen wohl ausfallen, wenn ständig die möglichen Probleme und Hindernisse im Wege stehen? Wenn bei jedem neuen Gedanken sofort die Schwierigkeit dazwischen grätscht?
Die Kreativität würde sich wohl kurzerhand verabschieden.
Ja, Naivität hat einen doppelten Boden. Mindestens.
Doch wer sich in bestimmten Momenten auf das Potenzial von naivem Gedankengut konzentriert, wird erstaunt viele neue, bisher ungeöffnete Türen sehen.
Den kreativen Prozess kann die Naivität für sich gewinnen.
„Na, Eve, bist du naiv?"
„Wie meinen?"

