A No Nym
15. Mär 2026,

Zweischneidig? Ist das nicht der Standard in der Produktion eines Schwertes? Egal, der Vergleich hinkt nicht, weil das Schwert noch nicht genutzt wurde. Denke ich Mal.
Anonym oder Anonymität ist ein zweischneidiges Schwert, ergo ist der Begriff mit Vorsicht und eher heimlich zu geniessen.
Oder zu benutzen.
In der fürchterlichen Epstein-Akte wird den Opfern, also den unzählig missbrauchten Frauen eine ebensolche Anonymität zugesichert. Und das ist mehr als gut so. Wer sich mit einer Meinung an die Öffentlichkeit wagt, der wird mit mindestens einer starken Brise Gegenwind oder echten Repressalien und Bedrohungen rechnen müssen.
Online und Offline.
Deshalb ist auch hier die Anonymität gerechtfertigt. Das wissen Whistleblowers sehr zu schätzen.
Habe ich schon gesagt, dass Anonymität auch als Medaille daherkommt?
Ja, auch ein Vergleich, der möglicherweise hinken wird.
Dennoch, jede Medaille hat zwei Seiten.
Die Anonymität auch.
Wer Böses plant, der setzt den Status auf „anonym».
Ein Status, den die ermittelnden Beamten der Polizei, Geheimdiensten und sonstigen detektivisch motivierten Menschen den Ärger ins Gesicht schreibt. Der oder Die grosse Unbekannte macht sich zwar gut in Büchern und Filmen, aber im richtigen Leben will die Gesellschaft und damit die Justiz die Brechenden von Gesetzen heranziehen.
Erst zum Verhör, dann zur Justiz.
Was ist mit den Leuten, die sich geifernd und hetzend — also rassistisch oder faschistisch — hinter einer anonymen Identität verstecken?
Oder diese Typen, Stalker genannt, die Menschen in Angst und in mentale Krisen stürzen.
Ebenfalls anonym, versteht sich.
Welch grandioses Hilfsmittel ist die Anonymität hier, also das heimliche Tun bösartiger Aktionen.
Doch den berühmten Vogel schiessen Politiker ab, wenn sie privat anmutende Schläger- und Killertruppen auf die eigene Bevölkerung loslassen. Wobei der Begriff „schiessen" an dieser Stelle ungünstig platziert ist, denn im richtigen Leben wurden Menschen einfach so abgeschossen.
Sorry, ich schweife ab. Doch morgens um fünf lässt sich mancher Gedanke nicht sofort bändigen.
Zurück zum heimlichen Tun menschlicher Charaktere.
„Wer war das?»
Wahrscheinlich hat jeder Schüler und jede Schülerin diese Frage in einem Klassenzimmer hören müssen.
Diese Frage war extrem beunruhigend für das eigene Gewissen, den Mut über einen möglichen Verrat gegenüber einem Mitschüler und damit der Auslöser für einen seelischen Konflikt der Luxusklasse.
Der Micro-Luxusklasse, aber immerhin beunruhigend.
Das Abwägen, wann, wie und warum die Anonymität angebracht, sprich notwendig oder gerecht ist, das sind schwierige Momente.
Egal, wie die Entscheidung ausfällt, also für das Beibehalten oder den Wegfall der Anonymität — die Konsequenzen sind stets inbegriffen. Und diese können dramatisch sein.
Wer selbst einmal in einer solch verzwickten Situation steckte, der weiss um die Ängste und Zweifel des Momentes.
Und so wird aus dem Begriff «anonym» aus ‚heimlich' der Nachfolger ‚unheimlich'.

