«Das gehört sich nicht.»

22. Mär 2026,

«Das gehört sich nicht.»
«Das gehört sich nicht.»

Ein oft gehörter und selten verstandener Satz hat sich eingebrannt. Eben, weil er so oft in die Luft — die heisse Luft — gepustet wurde. Was wird die hintergründige Motivation gewesen sein, um dem kleinen Jungen diese vier Worte plus Ausrufezeichen in die Ohren zu pusten?

Na dann lass uns mal den Satz aufteilen. 
Du nimmst das erste Wort, du das zweite… 
OK, das meinte ich nicht. 
Also nochmal: „das" ist das erste Wort und bedeutet? 
Gar nichts Konkretes. 
Was ist mit „das" gemeint? Eine Sache, ein Zustand oder eine Aktion des Satzempfängers? 
Keine Ahnung.

„Das gehört" — Aha, jetzt wird der Satz etwas aktiver. 
Also muss irgendwo ein Besitzer oder ein vermeintlicher Eigentümer dieses ominösen „das" herumstolzieren. 
Dann würde der Satz lauten: „Das gehört Paul." So weit so sinnvoll und eigentümlich.

Doch der Satz geht anders. „Das gehört sich."
Bitte was? 
Das Ding gehört sich selbst? 
Na dann freue ich mich für „das", weil es sich selbst gehört? 
Oder weil es ein gutes Gehör besitzt?

Und hier gibt nun das vierte Wort dem Sinnvollen den Rest. „Das gehört sich nicht.» 

Aha. Na dann steht die Frage im sinnleeren Raum: Wem gehört das verdammte „das" denn nun? 
Sich selbst also.

Ergo ist „das" völlig sich selbst überlassen, schliesslich wird „das» zur Selbständigkeit erklärt. 
Oder wie es in der englischen Sprache heisst: „Self-Employed».

Ach, dieses Fazit ist völlig daneben? Und das gehört sich nicht?

Na dann, erklär dich mal.

Wir kennen diesen Satz in der einen oder anderen Form bestimmt. 
Immer dann, wenn gesellschaftlich etliche Normen auf dem Tisch liegen, die man pflichtbewusst befolgen sollte, dann wird diese Regel als bindend angesehen. 
Eine oftmals ungeschriebene stille Regel hängt drohend über dem „das", also dem Ding, das sich selbst gehört, aber trotzdem — oder eben deswegen — gemassregelt wird.

Selbständigkeit hat ihre Schattenseiten.

War nicht ein gewisser Knigge an einem Regelwerk beteiligt, das den Menschen das gute Benehmen beibringen wollte? 
Ich erinnere mich. 

Und in leiser Vorahnung machen solche Regeln auch Sinn in einer Gesellschaft, die möglichst konfliktfrei funktionieren soll. 
Oder will.

Der gute Herr Knigge hat diese Forderungen bestimmt in guter Absicht erdacht und diese schliesslich publiziert. 

Was der gute Herr des Benehmens aber nicht bedachte, das waren die Menschen, die manche dieser Regeln entweder physisch oder psychisch nicht befolgen können. 
Das ist weder Protest noch Verweigerung, sondern schlicht die Unmöglichkeit des Umsetzens.

Diese Menschen mit Barrieren machen öffentliche Räume wie Restaurants, Museen, Theater oder Kino zu ihrer grossen Herausforderung. Dann nämlich, wenn sie bewusst „Das gehört sich nicht." erleben. 
Weil sie Dinge tun, die von anderen Umsitzenden oder Umstehenden als störend empfunden werden.

Die öffentliche Ruhe wird damit gestört? 
Ich hoffe nicht.

Menschen mit aufgezwungenen Barrieren der verhinderten Möglichkeiten haben es schwer, solche Regeln zu befolgen. 

Oder sie sind schlicht einfach nicht in der Lage, dies zu tun. 

Dann kommt noch der Lebenszyklus um die Ecke und fordert seinen Tribut von uns Älteren. 
Das sichere Ausschreiten war früher Mal möglich. 
Mit einem Walker driftet die Bewegung in den Slow-Motion-Modus. 

Beim Essen fällt öfter mal etwas von der Gabel und zielgerichtet auf das Hemd oder die Bluse.
Das gehört sich nicht!

Die Funktion der Erwartungen wird gestört.

Immer wieder erlebte ich Szenarien wie diese und die damit verbundenen kritischen Blicke. 
Und ebenso oft ärgerte ich mich. 
Nein, nicht über meine Schussligkeit, sondern über diese in der Luft hängende Kritik an jemandem, der oder die das nicht mehr besser managen kann.

Ich kenne viele Schusslige in der Gesellschaft — mich eingeschlossen — aber kaum jemand von diesen gleichermassen wertvollen Menschen ist stolz darauf, sich nicht korrekt zu benehmen. 
Denn es steckt nicht Absicht, sondern Nachlassen von Fähigkeiten hinter dem Magenl. Punkt.

OK, ich rege mich ja wieder ab. 
Und ich will hier und jetzt mal eine Lobeshymne auf die meisten Umstehenden oder Umsitzenden loswerden. 

Die Mehrheit der Mitmenschen sind verständnisvoll. 
Keine Blicke der Kritik oder Missbilligung. 
Keine lauten oder leisen Vorhaltungen.

Verständnis im Blick zeigt Toleranz.
„Das gehört sich so!"

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