Salon Fähig

25. Mär 2026,

Salon Fähig
Salon Fähig

Die elegante Form des Wohnzimmers war seit der Erfindung der Zivilisation – und des Designs – schon immer ein erstrebenswertes Ziel.

Für aufstrebende, meist junge Leute war der Salon der Aufstieg. 
Wohin schon wieder? 
Ach ja, in die gute Gesellschaft. 

Mit „gut" war nebst dem finanziellen Polster das Benehmen gemeint. 
Ach, wie ernüchternd muss sich damals die „niedere" Gesellschaft der Normalverdienenden gefühlt haben. 
Exklusivität bedeutet vor allem für die Mehrheit, ausgeschlossen zu sein – oder gar als nicht erwünscht zu gelten.

Woher stammt der Ausdruck „salonfähig» überhaupt? 

Der Ausdruck hat Wurzeln im 19. Jahrhundert, also in bürgerlichen und adligen Kreisen, die sogenannte Salons für gesellschaftliche Zusammenkünfte eröffneten. 

Heute wird der Begriff breit verwendet, um zu beschreiben, was in der Gesellschaft als akzeptabel oder gesellschaftlich anerkannt gilt – nicht nur bei Adligen oder Bürgerlichen. 

Die Salons waren nicht nur für Betuchte gedacht, die in eleganten Räumlichkeiten Tee tranken und abwarteten. 
Nein, die intellektuellen Künstler und die künstlerischen Intellektuellen führten Debatten und Diskussionen. 
Ja, auch mit Teebegleitung.

Der Wandel des Attributs „salonfähig" ist oft ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen. 
Der Spiegel der Gesellschaft ist das Joghurt der Kulturen – denn auch eine kulturelle Gesellschaft unterwirft sich den Veränderungen. Nicht immer freiwillig, aber trotz alledem. 

Was heute als akzeptabel oder sogar modisch gilt, kann morgen bereits als veraltet oder tabu definiert sein. 
Doch noch immer war da ein gepflegter Salon mit Kultur, die ebenfalls gut im Schuss war. 

So jedenfalls wurde dies über Jahrhunderte vermittelt. 
Solange, bis die Bulldozer auftauchten und den Salons ähnlich zusetzten wie dem Ostflügel des Weissen Hauses. 
Also dem ehemaligen Ostflügel.

Weiss noch jemand, was heute als salonfähig etikettiert wird?

Mein Salon ähnelt eher dem Feld bei Woodstock, wenn eine halbe Million Menschen friedlich – und meist stoned – die Kultur hör- und sichtbar leben. 
Ein Salon, in dem Aggressionen, Diffamierung, Entmenschlichung, Faschistoide, Pöbler, Wiederholungskriminelle und Sexualtäter noch nicht stiefelleckend eingeladen wurden.

Ja, ich fordere viel zu viel – und mit naivem Joghurt als Untergrund. 
Na und? 
Ich mag Kulturen. 
Je differenter, desto besser.

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